Geschwister kann man sich nicht aussuchen
Im Leben begegnen uns Freunde, Mitschüler, Lehrer, Partner, Kollegen etc, die eine Zeit unseres Lebensweges mit uns gehen. Wenn wir es wollen oder das Leben so spielt, können wir die eingegangenen Beziehungen auch wieder trennen. Bei Geschwistern verhält sich das anders, ihre Verbindung besteht ein Leben lang.
Geschwister-Liebe – Geschwister-Hass
Geschwister suchen wir uns nicht aus, zumindest nicht im irdischen Sinne. Sie sind da und wir müssen mit ihnen zurechtkommen. Jedes Familiensystem ist immer individuell zu betrachten, genauso wie seine Mitglieder. Es gibt keine Schablone, die auf jedes Kind, jede Familie oder jeden Menschen passt. Wichtig ist jedoch, fühlen sich Kinder in ihrer Person ernst- und wahrgenommen, haben sie seltener das Gefühl der Konkurrenz oder des Vergleichs zu ihren Geschwistern (oder anderen Menschen im Allgemeinen). Kinder wollen in ihrer Ganzheit wahrgenommen werden. Sie nur in einer temporären Momentaufnahme (z.B. im Streit) zu be- oder gar verurteilen, wird ihnen nicht gerecht.
Geschwister streiten lassen?
Kinder sind schon im jüngsten Kindesalter in der Lage zwischen gut und böse zu unterscheiden. Sie sind harmoniebedürftig und ihr natürliches Wesen ist auf Unterstützung, Hilfe und liebevollen Umgang miteinander eingestellt. Und doch gibt es Geschwisterpaare, die sich häufiger und z.T. auch heftiger streiten, als andere. In Streitsituationen von Kindern neigen Eltern (zu) schnell dazu, sich in die Konflikte einzumischen und sie so in der Klärung auf ihre Kinderart, zu unterbrechen und es teilweise sogar zu verschlimmern. Könntest du dir vorstellen, deine Kinder ihre Konflikte miteinander alleine ausfechten zu lassen? (Leib und Leben gilt es dabei immer zu schützen. Sollten die Kinder körperlich aufeinander losgehen, müssen die Eltern selbstverständlich vorher in den bestehenden Konflikt eingreifen.) Dass die Art der Konfliktbewältigung nicht der von Erwachsenen entspricht, versteht sich dabei von selbst. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie sind Kinder. Und das sind sie genau so lange, wie sie noch nicht auf eigenen Beinen stehen/die Schule abgeschlossen haben.
Geschwisterstreit schlichten?
Sofern Eltern bei Geschwisterkonflikten einschreiten, ist es IMMER wichtig, sich beide Seiten anzuhören und gezielt danach zu fragen, was vorgefallen ist bzw. wie es zum Streit kam. Dabei darf jedes Kind ausreden und im Falle von Schuldzuweisungen, dürfen die Eltern liebevoll unterbrechen, mit dem Hinweis, das Kind möge bitte seine Empfindung und die eigene Sichtweise beschreiben. Es ist wichtig, dass jedes Kind bei sich und seinen Empfindungen bleibt und das zuhörende Kind die Möglichkeit hat die Auffassung des Geschwisters zu hören und im besten Falle auch nachempfinden zu können. Meine Empfehlung an die Eltern ist in einem solchen Fall, darauf zu achten, dass jedes Kind gleichermaßen Raum hat, sich zur Streitsituation zu äußern und seine Gefühle mitzuteilen. Eltern haben bei Geschwisterstreits eine schlichtende und vermittelnde Position, die manches Mal auch einiges an Geduld und Ruhe abverlangt. Jedoch zahlt sich jedes Gespräch dieser Art aus, weil nicht nur das Verständnis der Geschwister untereinander steigt, sondern auch die Eltern erfahren einen weiteren Einblick in die Gefühlswelt der eigenen Kinder. Aus meiner Erfahrung ist es selten ratsam von Vornherein Partei für eines der streitenden Kinder zu ergreifen. Gibst du als Eltern jedem Kind seinen Raum sich zu äußern, fühlt es sich anerkannt und ernst genommen. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die soziale Entwicklung des Kindes aus, weil es in seiner Individualität reifen kann. (Anmerkung: Sollte die Streitsituation zu aufgeheizt sein, bitte deine Kinder darum sich erst einmal getrennt voneinander wieder „runterzukühlen“, um zu einem späteren Zeitpunkt die Streitsituation aufklären zu können.)
Konkurrenz unter Geschwistern
Geschwister, die in ständiger Konkurrenz zueinanderstehen und sich gegenseitig runtermachen, buhlen meist um die Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen. Sie haben das Gefühl sich die Aufmerksamkeit der Eltern oder eines Elternteils verdienen zu müssen und nicht gut genug zu sein, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Sie fühlen sich nicht gesehen und möchten deshalb auch nicht, dass das andere Geschwister besser dasteht, weshalb sie unfaire und unschöne Sachen über den Anderen behaupten, um selbst besser dazustehen.
Bei den Kids gibt es einen schönen (und wahren) Spruch: „Wer’s sagt ist es selber.“ – Je nach Alter der Kinder ist dies ein Ansatz, den Geschwistern zu erklären, dass sie nicht dadurch besser werden, indem sie den Anderen schlecht machen. Außerdem sagen die getätigten Aussagen mehr über den Sprecher selbst, als über das Geschwister über das gesprochen wurde aus.
Für die Eltern ist es in solchen Konkurrenz-Situationen wichtig zu schauen, wieviel Raum sie jedem einzelnen Kind einräumen. Wie individuell wird jedes Kind, sein Wesen und werden seine Vorlieben berücksichtigt? Hierbei geht es ausschließlich um die Wahrnehmung des Kindes. Für die Eltern ist es wichtig die eigenen Kinder und ihre Welt zu verstehen, um bestmöglich auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen zu können. Auch wenn Geschwister mit meist sehr ähnlichen Voraussetzungen ins Leben starten, können sie sich so ähnlich, wie auch unterschiedlich sein. Kinder sollten die Möglichkeit haben, individuelle Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Das kann ein gemeinsames Spiel, ein Ausflug oder ein simpler Lebensmitteleinkauf sein. Je nach Möglichkeit, darf das in regelmäßigen Abständen eingeplant werden: jede Woche oder jeden Monat oder alle drei Monate. Es geht darum, dem Kind Zeit allein und somit individuelle Aufmerksamkeit zu schenken. Dies unterstützt die persönliche Bindung eines jeden Kindes zum jeweiligen Elternteil.
Geschwister im Familiensystem
Kommen Kinder u.a. wegen Geschwisterstreitigkeiten ins Coaching, berücksichtige ich auch immer das Familiensystem und wie die Familie mit der jeweiligen Geschwister-Konstellationen umgeht. Müssen bspw. die größeren Geschwister beim gemeinsamen Essen immer auf die Kleineren Rücksicht nehmen, indem erst das jüngste Kind sein Essen erhält, kann es zum Ungleichgewicht kommen. Konkret kann das so aussehen, dass das jüngere Geschwister zuerst seine Mahlzeit beim gemeinsamen Familienessen aufgetan bekommt, „weil es ja noch so klein ist“. Der Ansatz ist komplett nachvollziehbar und auch kann es dazu führen, dass das älteste Geschwister sich in seiner Position als Erstgeborenes nicht mehr akzeptiert fühlt, weil erst das Jüngere Beachtung findet. Gibt es in Familien das Thema der Geschwisterkonkurrenz, ist dies ein simples und magisches tool wieder Ruhe und Gleichgewicht in das Geschwisterverhältnis zu bringen.
Kinder können für ihre Eltern ein Spiegel sein
Sind Eltern unausgeglichen oder ruckelt es in der elterlichen/familiären Beziehung, kann es verstärkt zu Streitereien und Konkurrenzkampf unter den Kindern kommen. Die Sensoren der Kinder sind so fein, dass sie sofort reagieren, wenn sie spüren, dass etwas im Argen liegt. Unausgesprochene Themen der Eltern, welcher Art auch immer, äußern sich gerne mal im Streit der eigenen Kinder. So sucht sich die seismografische Fähigkeit der Kinder einen Kanal für ihre Gefühle, die sie nicht einordnen können, weil es schlichtweg nicht ihre eigenen sind.
Was ist, wenn ein Geschwister besonders viel mit anderen streitet?
In Familien bieten sowohl Eltern, als auch Geschwister, eine Projektionsfläche für den Stress eines Kindes. So ist es möglich, dass Kinder aufgrund von Ärger in der Schule oder mit den Freunden, diesen an ihren Familienmitgliedern auslassen und regelmäßig mit einem, bestimmten oder allen Familienmitgliedern Streit suchen. In einem Coaching erörtere ich mit den Kindern und Teens, was das Problem hinter dem Problem ist. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass das Offensichtliche in vielen Fällen nicht die vorrangige Herausforderung ist.
Im Coaching
Sind die emotionalen Blockaden, die den Stress beim Kind oder Teenager auslösen und zu Streit oder anderen Herausforderungen führen können, identifiziert, geht es ans Auflösen. Mit wissenschaftlich erforschten und fundierten Tools unterstütze ich die Kinder dabei, die Stressfaktoren und blöden Gefühle zu lösen. Wir enttarnen hinderliche Glaubenssätze, die das Kind im Coachingprozess ablegt, um neue förderliche Glaubenssätze zu implementieren. Neben der Betrachtung der Vergangenheit und der Gegenwart, wagen wir auch einen Blick in die Zukunft. Natürlich nutzen wir dafür keine Glaskugel, sondern die Kids erfühlen, wie sich ihr derzeitiges Verhalten auf ihre Zukunft auswirken könnte. Danach erfahren die Kids, wie sich im Gegensatz zur Weiterführung des derzeitigen Verhaltens, eine Verhaltensänderung positiv auf das zukünftige Leben auswirken kann. Auch hier arbeiten wir über das Gefühl und die Kinder/Teenager erfahren, was eigentlich in ihnen steckt. Mit diesem Wissen um die eigenen Potentialen, die wir während des Coachings wieder hervorgeholt haben, beenden die Kids ihr Kurzzeitcoaching mit der Freude, welche positiven Überraschungen das Leben für sie bereithalten kann.